Stellenanzeigen und das dritte Geschlecht


Sicherlich kennen Sie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum dritten Geschlecht. Und wahrscheinlich wissen Sie auch, dass ich Mitglied im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V. bin.

Der Bundesverband hat von seinen Mitgliedern verstärkt Nachfragen erhalten, ob Stellenanzeigen nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum dritten Geschlecht verändert werden müssen, um den Anforderungen des AGG zu entsprechen. Daher hat der Verband diese Frage mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes – ohne rechtliche Gewähr – erörtert und das Nachfolgende an seine Mitglieder kommuniziert.

Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG vom 10.10.2017-1 BvR 2019/16) dürfte nach Meinung der Antidiskriminierungsstelle die Formulierung (m/w) nicht mehr ausreichend sein, um den Anforderungen an eine geschlechtsneutrale Ausschreibung zu entsprechen. Intersexuelle Menschen werden durch solche Anzeigen nicht angesprochen und könnten sich diskriminiert sehen. Allerdings sei eine allgemein verständliche und akzeptierte Sprachregelung, die deutlich macht, dass Menschen mit allen Geschlechtsidentitäten angesprochen werden, für den Text einer Stellenausschreibung eben noch nicht gefunden. Auch sei noch nicht gerichtlich geklärt, ob bzw. wie die Arbeitsgerichte die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auf den Bereich der Stellenausschreibungen übertragen werden.

Grundsätzlich denkbar und aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle möglicherweise als konform mit dem AGG anzusehen seien aber folgende Möglichkeiten:

  • Verwendung geschlechtsunabhängiger Funktionsbezeichnungen, z. B. Ausschreibung einer „Leitungsstelle“
  • Aufnahme eines weiteren Begriffs in den Klammerzusatz im Titel der Ausschreibung, z.B. Facharbeiter (m/w/divers)
  • Einfügen einer Klausel in den Ausschreibungstext, z. B. wie folgt: „Personen- und Funktionsbezeichnungen gelten für alle Geschlechter (männlich/weiblich/divers).“
  • Verwendung von Hilfszeichen, wie dem sog. Gender Gap. Dabei wird zwischen der männlichen und weiblichen Berufsbezeichnung ein Unterstrich verwendet, z. B. Berater_in
  • Als weitere Möglichkeit ist auch ein Sternchen zwischen der männlichen und weiblichen Berufsbezeichnung denkbar, das ebenfalls für verschiedene Geschlechtsidentitäten steht, z.B. Berater*in.
  • Aus Sicht des Bundesverbandes sollte auch „m/w/d“ möglich sein.

Wer absolut rechtssicher handeln will, sollte auf eine Formulierung umstellen, die das dritte Geschlecht nicht benachteiligt.

Tipp: eine geschlechtsunabhängige Funktionsbezeichnung mag zwar konform mit dem AGG sein, aber Sie wollen Menschen anziehen und von einer Aufgabe begeistern! Wie auch immer Sie sich entscheiden: eine Funktion ist abstrakt und steril! Oder würde Sie das begeistern?

Starten Sie durch!


 

Von: |2018-10-05T12:37:05+00:001. Oktober 2018|Kategorien: Karriere-Seite, Recruiting|Tags: , |0 Kommentare

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